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LIMIT SKILLS Blog zum Buch

"Es gibt nicht nur vom Mensch gemachte Grenzen."

Alexandra „Xandi“ Meixner, Jahrgang 1971, ist Frauenärztin, Kabarettistin, Sexualtherapeutin und Triathloninstruktorin. Auf ihrer Website steht einer der „typischen“ Motivationssprüche, das Credo des österreichischen Multitalents nämlich: „If you can dream it – you can do it“ – „Wenn du von etwas träumst, dann kannst du es auch schaffen.“ Alexandra Meixner sagt von sich selbst, dass sie ihre mentalen und körperlichen Grenzen ausloten und die Faszination der Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers erfahren möchte – und das hat sie durch die zahlreichen Weltbestleistungen in ihrer Altersklasse bei den härtesten Ultratriathlons und Langstrecken-Radrennen auch schon häufig erreicht. Dabei hatte ihre Liebe für den Ausdauersport ganz profan angefangen, als „Xandi“ im Jahr 2002 zum ersten Mal einen Marathon – in der österreichischen Wachau – lief, bloß um endlich mal „zwei Sackerl Dragee Keksi und eine Topfentorte ohne schlechtes Gewissen verdrücken zu können.“ Ihre Zeit damals: 4:08:26, sie wurde 18. In ihrer Altersklasse.

 

Ein Journalist hat dich mal mit folgenden Worten beschrieben: „Fachfrau für grenzenlose Lust und Expertin für die Lust an der Grenzüberschreitung…“

Fachfrau für grenzenlose Lust? Was der wohl damit gemeint hat…? (Alexandra Meixner lacht) Tatsächlich aber ist es so, dass sehr viele Menschen an mich herantreten, weil sie wissen wollen, warum ich beim Sport meine Grenzen ständig auslote. Ich glaube, nicht wenige Menschen wollen eine wie mich sogar häufig pathologisieren. Doch ich kann die Frage des Warums nicht erkennen. Wahrscheinlich war es bei mir immer schon so, dass diese Neugier in mir schlummerte: Was geht noch? Wie fühlt sich das an? Das ist schon eine gewisse Art von Grenzerfahrung – nachzuschauen, was wirklich noch geht. Dann bewege ich mich halt wieder einen weiteren Schritt aus meiner Komfortzone heraus, um zu checken, ob die an diesem oder jenen Punkt tatsächlich enden könnte. Das kann man sicherlich mit einer gewissen ‚Lust an der Grenzerfahrung‘ beschreiben.

Tatsächlich bist du Ärztin, gleichzeitig machst du Kabarett und überdies bist du hin und wieder als Sportlerin unterwegs. Jeder einzelne dieser Aspekte ist doch eigentlich ein Fulltime-Job. Wie kriegst du das alles gebacken?

Tja, manchmal gerate ich dabei ins Schleudern. Doch ich mache alles, was ich tue, nun einmal sehr, sehr gerne. Und deswegen könnte ich auch nicht sagen, dass ich jetzt meine Praxis aufgebe, oder mit dem Kabarett aufhöre oder mit dem Training oder mit den Wettbewerben. Nein, ich versuche, mir mein Leben minuziös einzuteilen. Gut, ich verzichte auf Schlaf. Von der Veranlagung her bin ich zwar ein Mensch bin, der mehr schlafen würde – so etwa acht Stunden täglich. Aber ich komme auf nicht mehr als höchstens sechs Stunden. Und was ich komplett eingeschränkt habe, sind kleine, vielleicht nicht so wichtige soziale Kontakte.

Noch einmal zurück zu den Grenzen. Was bedeutet für dich dieser Begriff – ganz konkret?

Grenzen sind für mich grundsätzlich etwas, die von Menschen gemacht sind. Ganz gleich, ob es sich um politische Grenzen oder Ländergrenzen oder eben auch um Grenzen im Sport handelt: Du wirst immer jemanden finden, der dir verbieten will, über Grenzen zu gehen, weil es ‚nicht geht‘ oder weil ‚man das nicht machen soll‘. Ich dagegen frage mich, warum soll da eine Grenze sein? Da könnte ich doch noch darüber hinaus…

… wobei ich jedoch der Ansicht bin, dass es nicht nur vom Menschen gemachte oder festgelegte Grenzen gibt? Die überlebenswichtige Ozonschicht beispielsweise trennt uns vom Weltall, oder da ist auch die Grenze zwischen dem Festland und dem Meer. Andererseits hast du natürlich Recht, wobei viele von Menschenhand gemachte Grenzen sind vielleicht bloß in unseren Köpfen. Woran aber merkst du, dass du in einen Grenzbereich vorstößt- und was erlebst du in einem solchen Moment?

Es gibt ja da so einen Spruch: ‚Wenn jemand sagt, das geht nicht, dann handelt sich um seine Grenze und nicht um deine. Das passt gut in diesem Zusammenhang, denn wenn mir jemand sagt, dies oder das sei eine Grenze für mich, dann frage ich mich, wer das sagt. Oder ich frage mich auch, warum das so sein soll? Und, ist das dann wirklich so? Auch für mich gibt es selbstverständlich Grenzen. Ich bin beispielsweise nicht wirklich ‚angstbefreit‘. Gefährliche Sportarten wie Klippenspringen oder Apnoetauchen kommen für mich nicht in Frage, weil ich einfach Angst davor habe, solche riskanten Dinge zu tun. Aber es steht mir nicht zu, einem Apnoetaucher wie Herbert Nitsch, der mehr als 200 Meter tief taucht, vorzuwerfen, dass sein schwerer Tauchunfall nur passieren konnte, weil er eine Grenze überschritten hatte – denn dies ist meine Grenze, die mir Angst bereiten würden.

Hältst du persönliche Grenzerfahrungen – jetzt einmal ganz allgemein – für eine sinnvolle oder auch wertvolle Sache?

Auf jeden Fall. Denn bei Grenzerfahrungen passieren ja oft persönliche Fortschritte. Für mich bedeuten sie außerdem, dass ich aus Zwängen ausbrechen kann. Ich glaube. Das könnte auch eine allgemeingültige Definition sein: Grenzen engen ein Spektrum ein, und mit jeder Grenzerfahrung kann man dieses Spektrum ein Stückchen ausweiten.

Wie viel Mut und Risiko sind dafür gut – oder auch dafür nötig?

Gute Frage… Ich glaube, dass sehr viel Mut nötig ist um zu hinterfragen, ob eine Grenze wirklich da ist oder sie nur in meinem Kopf oder im Kopf eines anderen Menschen existiert. Und es gehört gewiss Mut dazu, sich diese Frage zu stellen und es dann darauf ankommen zu lassen. Was das Risiko betrifft: Ich habe ja schon eben gesagt, dass ich nicht ‚angstbefreit‘ bin und eher jemand, der sich vorsichtig an Grenzen herantastet und sie auslotet. Andererseits halte ich es jedoch auch für ein Risiko, meine großen Sportprojekte zu finanzieren. Wir haben unser Haus eingesetzt, um mehrere Projekte anzuleiern, da Sponsoren an Randsportarten, die nicht so medienwirksam sind, naturgemäß nicht wirklich interessiert sind. Die Organisation, die Planung – das alles können wir nicht mal ebenso finanzieren. Aber wir haben beschlossen, diese Projekte durchzusetzen, auch wenn wir das Haus dabei aufs Spiel setzen. Und wenn es sein muss, dann verkaufen wir es eben.

Was bedeutet für dich Erfolg?

Erfolg bedeutet für mich, die Ziele zu erreichen, die ich mir selbst gesteckt habe. 

Was wäre denn für dich dein persönlich bedeutendster Erfolg?

Der läge immer auf der persönlichen Ebene. Ich würde nicht einmal sagen, dass ich das Rennen XY geschafft habe, sondern dass ich lediglich meinen inneren Schweinehund immer wieder bekämpft habe; gerade in Situationen, in denen ich dachte, dass ich nicht mehr kann und mich gefragt habe, warum ich mir diese Qualen antue und nicht einfach aussteige. Aber, ich habe weitergemacht, um meine Ziele zu erreichen. Das ist der größte Erfolg, nicht der sportliche, der letztendlich auf einem Stück Papier oder im Internet steht. Ist komisch, oder?

Nein, ich kann das sehr gut nachvollziehen.

Kannst du es wirklich nachvollziehen?

Ja.

 

„Wenn man sich fragt, warum man das macht und man aufhören will, dann sind wenigstens die Schmerzen weg…“

 

Da bin ich aber froh. Denn wenn ich diesen Gedanken für mich ausspreche, dann kommt es mir immer sehr komisch vor.

Lass‘ uns noch einmal auf die zentrale Herausforderung kommen… Wie fängst du deine negativen inneren Stimmen ein – wie schaffst du das gerade in diesen kritischen Momenten?

Wenn diese Zweifel kommen und wenn man sich dann fragt, warum man das macht und man aufhören will… Dann sind wenigstens die Schmerzen weg. Und ich weiß ja, danach kann ich mir  einen gemütlichen Urlaub zuhause mit Hund und Katzen und Mann machen und mich von diesen Strapazen erholen. Und wenn mitten im Wettkampf die Stimmen aufkommen, sage ich mir: ‚Alexandra, du bist jetzt so nah dran und wenn du jetzt abbrichst, dann bist du enttäuscht‘. Also, ich halte mir immer vor Augen, dass der Wunsch mein persönliches Ziel zu erreichen so groß ist, dass die Enttäuschung, es nicht erreicht zu haben, bloß weil ich mich in jenem Moment nach der Komfortzone sehnte, noch viel größer sein wird. Wenn ich mir das vor Augen halte – auch diesen Wunsch in mir, dass es in mir brennt zu wissen wie es sich anfühlt dieses Ziel zu erreichen – dann versuche ich, genau diese Gedanken heranzuholen; dieses schöne, wunderbare, unbeschreibliche Gefühl des Zieleinlaufs. Das gibt mir viel Kraft. Dann denke ich: Probiere es zumindest, solange du nicht komplett am Boden liegst oder du merkst, die Quälerei könnte deinem Körper gesundheitlich schaden. Und dann sind ja auch noch die Zuschauer draußen an der Strecke und unter ihnen auch mein Mann und meine Schwester: Diese Energie von außen verleiht mir dann die letzte Kraft, wenn ich selber eigentlich nicht mehr kann.

Wann spürst du, wann du an eine Grenze stößt, die du besser nicht mehr überschreiten solltest?

Vielleicht, wenn die Leute fragen, ob das noch gesund sei, was ich da mache. Aber im Ernst: Ich glaube schon, dass ich ein gutes Körpergefühl habe und spüren würde, wann es nicht mehr okay wäre, weiterzumachen. Da vertraue ich mir und meinem Körper, dass er wirklich sagt, was Sache ist. Ich habe ja schon so manche Zehn-Kilometer oder Marathon-Läufer kollabieren und erbrechen sehen. So etwas ist mir auch auf meinen langen Distanzen noch nie passiert. Ich glaube, dass ich mich wie einen Motor abriegeln kann, um ja keinen Kolbenfresser zu bekommen. Ich bin eben nicht genügend ‚angstbefreit‘, um Warnsignale zu überhören – und ich bin auch nicht bereit, solch große körperlichen Risiken einzugehen… Das hat viel mit meiner persönlichen Geschichte zu tun. Du musst wissen, ich habe mich und meinen Körper sehr lange Zeit nicht gespürt, ich habe nicht gewusst, ob er kalt ist oder warm. Hintergrund ist sexueller Missbrauch, damals, als Jugendliche. Doch dieses Körpergefühl, dass ich nicht hatte, ist durch den Sport zurückgekommen. Sport ist für mich daher auch eine Art Therapie, aber nur dann, wenn man auf die Signale seines Körpers hört. Die Läufer, die du eben erwähnt hat, die nehmen und nehmen und nehmen, doch sie geben ihrem Körper nichts zurück. Ich vergleiche das gerne mit einem Auto, das ab und zu mal Service braucht, eine Inspektion. Wenn ich mich selbst nicht mehr auf eine schöne und angenehme Weise spüren kann, dann gehe ich zu meiner Schwester. Sie ist Chiropraktikerin und besitzt Zauberhände. Sie schafft es immer wieder, dass ich auch nach den längsten Rennen keine körperlichen Beschwerden habe... Es ist jedoch keineswegs so, dass mir die körperlichen Schmerzen, die ja zweifelsfrei auftreten können, in irgendeiner Weise ein Lustgefühl erzeugen – im Sinne einer ‚Lust an der Quälerei‘. Dazu bin ich zu schmerzempfindlich. Doch was ich von einem anderen Ultra-Triathleten erfahren habe, der mit einem Physiotherapeuten aus dem Behindertensport zusammengearbeitet hat, ist es zu lernen, immer mit der Ressource umzugehen, die funktioniert. Auf unseren Sport bezogen heißt das: Normalerweise konzentriert man sich auf die Schmerzen, wenn beispielsweise das linke Knie weh tut. Man sagt sich, dass man nicht hart auftreten darf, weil es einen Stich und damit wieder einen Schmerz gibt. Ich sage aber: Gut, das linke Knie tut dir weh, aber das rechte Knie tut dir nicht weh. Und beide Hüften sind auch in Ordnung. Ich konzentriere mich also auf das, was funktioniert und kann mir auf diese Weise den Schmerz im linken Knie wegdenken.

Im Vorgespräch hast du mir gesagt, du würdest dich manchmal zurückziehen, damit du dich auf dich selbst konzentrieren kannst. Gleichzeitig seien dir aber zwischenmenschliche Beziehungen sehr wichtig. Wie gehst du mit diesem Zwiespalt um?

Früher hatte ich einen irrsinnig großen Bekanntenkreis. Früher heißt, bevor ich mich dem Sport verschrieben habe. Es war mir damals wichtig, zum Beispiel auf Partys für Stimmung zu sorgen, Humor und ständig gute Laune zu versprühen. Das ist jetzt nicht mehr so, da ich ja durch meinen Sport auch weniger Zeit zum feiern habe. Aber das Zwischenmenschliche ist mir nach wie vor sehr wichtig, nur eben anders. Konzentrierter vielleicht, wobei mein Fokus auf positiven Gesprächen liegt. Damit meine ich nicht, alles Negative tot zu schweigen. Sondern Negatives insofern zu bearbeiten, dass es dann positiv für diejenigen oder für mich wird. Was ich also vor allem in meinem sozialen Leben geändert habe ist, dass ich nur noch in einem sehr kleinen, ausgewählten Kreis unterwegs bin und alle Oberflächlichkeiten nach Möglichkeit ignoriere. Wenn ich früher beim Einkaufen jemanden getroffen habe, waren das ja zumeist nur Höflichkeitsgespräche, Smalltalk, wenn du so willst, die dann aber schon mal eine Dreiviertelstunde gedauert haben. Davon bin ich weg. Ich versuche, solche Unterhaltungen auf ein Minimum zu beschränken – und meine Zeit neben nicht mehr mit oberflächlichem Zeug zu verplempern. Die Beziehungen zu Menschen, die ich jetzt habe, sind von den Gesprächen her viel intensiver als vorher.

Setzt du dir Ziele?

Eher nicht. Sagen wir es mal so: Ich bin immer step by step weitergekommen. So habe ich meinen ersten Marathon damals nicht nach Trainingsplan geschafft. Darauf hin habe ich entschieden, dass ich mir nie wieder ein solches Ziel setzen werde. Denn es ist mir nicht mehr um die Zeit gegangen, sondern darum, was überhaupt alles geht. Ich erfuhr dann, dass es einen Ultra-Triathlon gibt. Und 100-Kilometer-Läufe. Und den Ironman. Bei der Vorbereitung dazu hat es mich jedoch nicht interessiert, einen halben Ironman zu absolvieren. Denn ich wusste ja, dass ich den 100-Kilometer-Lauf unter zehn Stunden geschafft hatte, und für einen Ironman benötigt man deutlich weniger Zeit - keine Ahnung wie viel, aber mir war ja klar, dass sieben oder acht Stunden hinkriege. Hingegen weiß ich nicht, ob ich 20 Kilometer laufen kann, wenn ich jetzt vor die Tür trete. Es kann ja immer sein, dass ich schon nach fünf Kilometer etwas bekomme, dass mich am Weiterlaufen hindert. Die Ziele, die ich mir immer gesetzt habe, lauteten immer, „Ich-weiß-nicht-ob-das-geht-und-ob-ich-das-schaffe-Gefühl.“ Mein erster Triathlon war deswegen gleich ein Ironman. Dann habe ich irgendwann erfahren, dass es auch einen doppelten Ironman gibt… Als ich den zweifachen Ironman geschafft hatte, habe ich erfahren, es gibt einen dreifachen. Als ich den dreifachen gemacht hatte, habe ich erfahren, es gibt einen zehnfachen, einen 20-fachen… Und so finde ich meine Ziele immer durch Zufall und denke dann: ‚Wenn andere das schaffen, dann schaffe ich das irgendwie auch.‘

Wie soll sich ein Laie einen 20-fachen Ironman vorstellen?

Wir bezeichnen uns auch als Ultra-Family. Ich glaube, seit 2013 ist dieser 20-fache Ironman erst einmal veranstaltet worden. Wir sind also ein ganz familiärer Kreis. 16 Leute waren am Start, acht haben den Wettkampf beendet. Aber das Schöne ist, dass es diesen Konkurrenzgedanken nicht gibt. David, er ist Engländer, der den 20-fachen Weltrekord aufgestellt hat und ich haben beispielsweise für ein paar Tage so ziemlich die gleiche Geschwindigkeit gehabt. Und wir haben abends gerne vor dem Schlafen nochmal gebadet – zur Entspannung. Doch in unserem Hotel gab es nur ein Einzelzimmer, das ein Bad mit einer Badewanne besaß. Also bin ich manchmal mit meiner Geschwindigkeit so weit hinuntergegangen, dass ich eine halbe Stunde nach David das Etappenziel erreichte – und direkt nach ihm in die Badewanne konnte. Das funktionierte natürlich auch umgekehrt. Oder als einmal ein andrer Athlet beim Schwimmen im Becken eine Rollwende auf meinem Rücken gemacht hat: Der hat mir sofort seinen Physiotherapeuten zur Verfügung gestellt, weil ich damals keinen hatte. Das ist das Herrliche an den Ultra-Triathlons – die Teilnehmer halten zusammen.

Ich frage dich das jetzt auch mal als Ärztin: Wie können wir unsere Leistung steigern, an unsere Grenzen gehen, diese erweitern oder überwinden, ohne uns früher oder später kaputt zu machen?

Ganz spontan würde ich sagen: Indem man auf sich selbst hört. Indem man sich selbst vertraut und auf sich hört. Dass man die eigenen Träume und seine Ziele wahrnimmt, und das Selbstvertrauen in sich trägt, dass man versuchen darf und muss, diese Ziele zu erreichen. Und dass man sich dabei nicht von irgendjemandem verunsichern lässt. Wenn man jedoch zu leistungs- und zielorientiert und unter Druck vorgeht, dann spielt einem der eigene Kopf sehr häufig einen Streich. Ein Burnout durch Leistungsdruck entsteht schließlich dadurch, dass man nicht mehr die eigenen Ziele mehr vor Augen hat, sondern die Ziele der anderen Teilnehmer – dann muss man – quasi für seinen Sponsor – den ersten Platz belegen. Aber ich bin ja so ein Bauchmensch. Ich glaube, wenn man sich auf sein Bauchgefühl verlässt, dann macht man alles richtig. Der Körper und der Geist werden einem schon mitteilen, was sie brauchen und was nicht.

Es schwirren ja ganz viele Motivationstrainer und Heilsbringer auf dem Markt herum und schleudern Slogans heraus wie ‚No Limits‘, ‚Es gibt keine Grenzen‘, ‚Überwinde deine Grenzen‘….

Das klingt alles zu pauschal und zu extrem. Als Coach – und das mache ich mit den Menschen, die ich trainiere – würde ich lieber von ‚Grenzen verschieben‘ reden. Ich versuche daher immer zu schauen: Wo sehen meine Leute ihre Grenzen? Und: Können sie diese verschieben, wollen die das überhaupt: Aber die markigen Sprüche sind mir zu verbissen und zu verbohrt.

Und was hältst du von dem Satz ‚Wenn du willst, kannst du alles erreichen?‘

Als Selbstmotivation, als Mantra, ist die Message recht gut. Aber es ist nicht gut, wenn sie dir von einem anderen Menschen eingeflüstert wird, denn das würde nur Leistungsdruck erzeugen. Wenn ich diese Worte jedoch zu mir selbst sage, dann glaube ich, dass sie mir zum Beispiel in der Situation der Selbstaufgabe helfen können.

 

Und im nächsten Beitrag:
„Wenn der Druck zu groß wird, dann hält das alles nicht mehr Stand". Ein Gespräch mit Fabian Rießle, Olympiasieger in der Nordischen Kombination in Sotchi über seine Rückkehr nach einem schweren Sturz und der Krux mit gängigen Motivationssprüchen.

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Der Speaker, Coach und Bestsellerautor Dr. Michele Ufer ist international gefragter Experte für Sport- und Managementpsychologie und erfolgreicher Ultramarathon-Läufer.

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