Wissenschaftlicher Vortrag

51. Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie, Halle/Saale, 30.5.2019

Die sind doch verrückt, oder? Persönlichkeitsstruktur von Extrem- Ultramarathonläufern

Dr. Michele Ufer; Dr. Konrad Smolinski


Schlüsselwörter: Persönlichkeit, Big-Five, Ausdauer, Ultramarathon, Trailrunning, Extremsport

Zusammenfassung:

Hintergrund: Laufwettbewerbe jenseits der Marathondistanz werden immer populärer. Insbesondere die naturnahen und extremen Läufe über mehrere hundert Kilometer in exotischen Gegenden weitab der Zivilisation erfreuen sich zunehmender Beliebtheit (Ufer, 2017). Oft werden die Teilnehmer solcher Events von Außenstehenden und Medienvertretern als „verrückt“ bezeichnet. Bisherige Studien haben jedoch ergeben, dass es keine signifikanten Unterschiede in den Persönlichkeitsmerkmalen von (Ultra-) Marathonläufern und der Normalbevölkerung zu geben scheint (Janouch, 2016; Stoll & Rolle, 1997). Aber gilt das auch für die extremeren Formen des Laufsports mit Distanzen von über 160 Kilometern in mitunter lebensfeindlichen Gegenden? Unterscheiden sich die Teilnehmer extremer Ultraausdauerwettkämpfe in ihrer Persönlichkeit von der Normalbevölkerung und von weniger extremen Läufern?

Methode: N = 437 Läufer nahmen an einer onlinebasierten Befragung teil. Neben soziodemografischen Daten wurden mittels BFI-10 (Rammstedt, Kempe, Klein, Beierlein, & Kovaleva, 2013) die Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale erfasst. Die Stichprobe wurde anhand der längsten bisher zurückgelegten Strecke in drei Subgruppen unterteilt: 42/161/>161 km.

Ergebnis: Die Extremläufer (>161 km) waren die einzige Gruppe, die sich in keinem Big-Five-Persönlichkeitsmerkmal signifikant von der Normstichprobe, jedoch in vier Merkmalen von den (Halb-)Marathonläufer unterscheidet (Extraversion, Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit).

Schlussfolgerung: Bisherige Befunde, wonach sich Langstreckenläufer in ihrer Persönlichkeitsstruktur nicht von der Norm unterscheiden, konnte lediglich für die Extremläufer repliziert werden. Die Ergebnisse legen nahe, dass bei zukünftigen Studien über Persönlichkeitsmerkmale von Langstreckenläufern eine Differenzierung der Probanden hinsichtlich der bisher maximal zurückgelegten Distanz geboten scheint.

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